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Populäre Erscheinungen: Der deutsche Schauerroman um 1800 im internationalen Kontext

Populäre Erscheinungen: Der deutsche Schauerroman um 1800 im internationalen Kontext/ Popular Visions. The German Schauerroman around 1800 and its international Contexts.
Eine internationale Tagung des Instituts für Germanistik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und des Department of Germanic Studies des Trinity College Dublin
30. Januar-1. Februar 2009
Ort: Interdisziplinäres Zentrum für die Erforschung der Europäischen Aufklärung, Franckeplatz 1, Haus 54, 06110 Halle.

In der Übergangszeit zwischen Aufklärung und Romantik entsteht eine populäre Schreibform, die schon zur Blütezeit als trivial abgewertet wurde und trotz moderner Kritik an Kanonisierungsprozessen unterbeleuchtet geblieben ist: Der Schauerroman. Von internationalen Zeitgenossen um 1800 als Inbegriff der deutschen Kulturlandschaft angesehen ist der Schauerroman eine literarische Gattung, die wie keine andere sozialen Unsicherheiten und Ängsten um 1800 ein erfolgreiches Artikulationsmedium bot. Obwohl die Domäne populärer Autoren wie Carl Grosse und Heinrich Zschokke wird das kulturelle Gewicht des Schauerromans besser vorstellbar, wenn man Schiller, Hoffmann, Tieck, Jean Pauls Titan, Vulpius' Rinaldo Rinaldini oder Musäus' Märchensammlung auch berücksichtigt. Indes fungiert der Schauerroman als Reflexion einer zunehmenden Kontingenzerfahrung philosophischer und ästhetischer (Ir)Rationalität und soziokultureller Modernisierung. Der Schauerroman kann als - zugegeben: extremer - Paradefall der Epochenschwelle zwischen Aufklärung und Moderne verortet werden, der als provokative Verschärfung und Infragestellung der zentralen Vernunftprinzipien der Aufklärung entsteht. Seine spezifische und untersuchungswerte Leistung ist es, zentrale Diskurse und Streitfragen der Aufklärung über Einbildungskraft, Furcht, Schrecken, Aberglauben und das Wunderbare zu transformieren und zu seinem expliziten und reflektierten ästhetischen Programm zu machen. Die Zielsetzung der geplanten Tagung ist eine zweifache: Erstens gilt es, der durch die desolate Forschungslage zu erklärenden fehlenden Schärfe in den Gattungsbeschreibungen wie in der literaturwissenschaftlichen Terminologie des Schauerromans entgegenzuwirken, um eine strikter differenzierte Gattungskonzeption zu erarbeiten. Zweitens gilt es, den Schauerroman als populäres Grenzphänomen zwischen Aufklärung und Moderne in seiner Entstehung und kulturgeschichtlichen Bedeutsamkeit zu erfassen und somit auf der Grundlage gegenwärtiger literatur- und kulturwissenschaftlichen Methoden erstmals differenziert und im Dialog zu untersuchen. Dabei wird zu untersuchen sein, inwiefern zeitgenössische Theorien wie Derridas hantologie, Diskursanalyse oder die Systemtheorie zu einer neuen Sichtweise auf die symbolischen und metaphorischen Gestalten des Schauerromans wie Gespenster, Doppelgänger und Monster beitragen können.

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